Eine unvollständige Enzyklopädie nach veränderlichen Regeln mit unvollständigen Artikeln von limitierten Autoren und mit fragwürdigen Quellen

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Wir sollten mal darüber nachdenken, was Wiki ausmacht, was seine Stärken und Schwächen sind oder sogar beides.

• Wiki hat eine unvollständige Zahl von Artikeln. Es gibt die Möglichkeit neue Artikel hinzuzufügen, ansonsten wäre Wiki definitionsgemäß vollständig. Es gibt auch die Möglichkeit Artikel zu löschen, aber damit hat Wiki nicht angefangen, sondern damit, dass einer ein paar Zeilen Text geschrieben hat, ohne Quellen, ohne Referenzen, ohne Diskussionen, diese dann erweitert wurden etc., bis ein brauchbarer Artikel entstanden ist. Die Schnellöscherfraktion sollte darüber mal nachdenken. Eine vollständige Zahl von Artikeln bedeutet das Ende von Wiki, denn dann brauche ich keine neuen Artikel mehr und damit auch keine neuen Autoren.

• Wiki hat keine festen Regeln. Wiki gibt sich selbst die Regeln, ändert sie ab, legt sie in verschiedene Richtungen aus. Die User machen sich selbst Regeln, die sie in ihrer Kreativität womöglich selbst einschränken. Die Regeln ändern sich mit dem Namensraum etc. Warum gibt es eigentlich die Regel, dass Schulen und kleine Vereine keinen eigenen Artikel haben dürfen? Jeder Lebenslauf enthält die Angaben zur Schulbildung. Ich glaube es gibt tausende von neuen Autoren, die noch zur Schule gehen oder gerade damit fertig sind. Die haben kaum andere Themen, über die sie etwas wissen, als ihre Schule oder ihren Sportverein. Warum soll ein Anfänger nicht über so ein Thema einen Artikel schreiben dürfen? Der Wiki-Nutzer hat doch selbst die Wahl, ob er den angeblich irrelevanten Artikel über die Pestalozzischule in Hinterpfuiteufel lesen will. Sicher ist, dass im Laufe der Zeit unter Umständen tausende oder zehntausende Menschen diese Schule besuchen. Wiki ist ja nicht der Brockhaus, der sich überlegen muss, ob er in 24 Bänden Platz dafür hat oder nicht. Positive Erfahrungen der Autoren mit dem Erstellen dieses irrelevanten Artikels könnte motivieren sich an schwierigere und umstrittene Themen zu wagen. Also heißt meine Forderung: Mut zu irrelevanten Artikeln!

• Wiki hat unvollständige Artikel. Egal ob Stub oder als exzellent bewertet, ein Artikel ist nie endgültig. Das bedeutet dass ein "dummer" oder "irrelevanter" Artikel mutieren kann zu einem sehr guten Artikel und umgekehrt kann ein sehr gut bewerteter Artikel durch nachfolgende Bearbeitung verdummbeutelt werden. Die Entwicklung ist in jede Richtung möglich: Zusammenfassung, Auftrennung, Erweiterung, Kürzung, Vandalismus, Editwar... etc. Ein Link auf einen Wikiartikel ist immer problematisch, denn ich weiß nicht, wie ein Artikel in drei Wochen aussehen wird. Wenn ich also sicher sein will, dass ein Artikel eine einmal gewonnene Qualität beibehält, müsste ich ihn von weiterer Bearbeitung ausschließen. Das heißt ich bekomme dann abgeschlossene Artikel. Es gibt Artikel, die sind zwar nicht als abgeschlossen gekennzeichnet, die werden aber von ihren Autoren eifersüchtig bewacht und jede Veränderung wird sofort revertiert (Revertiert, keine Quelle!)(Revertiert, irrelevantes Detail!). Das widerspricht der GNU. Ein Autor, der auf solch einen Artikel trifft, holt sich zwangsläufig ein paar Ohrfeigen ab. Ein Altgedienter steckt das eher lächelnd weg, ein Anfänger ist davon zutiefst gekränkt. Abgeschlossene Artikel bedeuten das Ende der Entwicklung bei Wiki. Es kann dann nichts Neues mehr geben und neue Autoren für bestehende Artikel sind überflüssig geworden. Es wird für einen Autor jetzt schon immer schwieriger einen Bereich zu finden zu dem er 1. eine gewisse Kompetzenz hat und 2. einen Artikel zu finden, zu dem er Informationen beisteuern kann. Die schwindende Zahl an Autoren ist teilweise diesem Umstand zu verdanken, dass Autoren keine richtige Notwendigkeit mehr erkennen, etwas zu einem Thema beizutragen, weil anscheinend alles schon gesagt ist.

• Wiki hat limitierte Autoren. Wiki ist ein Projekt, welches teilweise auf einer breiten Masse von Beiträgen mit beschränkter Qualität basiert. Artikel entstehen in einem Gruppenprozess, bei dem sich die unterschiedlichen Beiträge gegenseitig beeinflussen und der hoffentlich zu einem brauchbaren Ergebnis führt. Es gibt nicht den einen ultimativen Bescheidwisser, der den Artikel schreibt. Es gibt sicherlich Artikel, die von Experten geschrieben sind, voll von fachspezifischem Wissen, aber es gibt dann sicherlich auch die vielen kleinen Dummerchen, die sofort anfangen den Artikel in Scheiben zu schneiden und bemängeln, dass er zu kompliziert sei, zu wenig allgemeinverständlich etc. In einer gelungenen Synthese kommt hoffentlich ein Ergebnis heraus, das das Wissen eines Mathematikprofessors auch dem Hauptschüler begrifbar macht. Kein Mensch weiß alles und es gibt immer eine Formulierung, die den Sachverhalt deutlicher oder einfacher ausdrücken kann, leichter verständlich ist etc. Paradoxer weise kann die Arbeit von "dummen" Autoren somit der Verbesserung des Artikels dienen. Wiki braucht "Checker" und "Nixblicker", um einen guten Artikel hervozubringen. Also respektiert den Beitrag von "Dummerchen". Wenn so ein Dummerchen einen Vorschlag macht, bedeutet es, dass auch der Checker von seinem Ross absteigen muss und sich in die Niederung der Erklärung begeben muss.

• Zu vielen Artikeln gibt es keine Quellen. Auch das ist ein Problem, welches doppeldeutig ist. In einigen Fällen bedeutet es, dass ein Wikiartikel die erste Quelle zu einem Thema überhaupt ist. Es ist also eine Art von creatio ex nihilo, eine Schöpfung aus dem nichts. Nach den Wiki-Regeln darf es das eigentlich nicht geben. In anderen Fällen bedeutet die Verwendung von Quellen eine Ansammlung von Wissen, welches von irgendwo abgekupfert wird. Das ist per se nicht eine Verletzung von Urheberrechten, (obwohl das ein Teil des Problems sein kann), die Quelle kann auch GNU sein oder der Schutz ist abgelaufen, aber es bedeutet, dass der Artikel keine schöpferische Qualität hat und somit nichts Neues erzählt. Vieles in Wiki ist einfach überkommenes Wissen, welches aus tausend Jahren mündlicher Tradition kommt. Laut Definition ist es aber wertlos, da es bisher noch nie jemand aufgeschrieben hat. Viel zu selten wird darüber nachgedacht, dass auch eine Quelle falsch sein kann. Es gibt genug Beispiele, wo eine Zeitung eine fette Lüge in die Welt setzt, und das nicht immer absichtlich oder nur bei der Blindzeitung. Ich plädiere dafür, dass auch unbequellte Informationen in einem Artikel stehen dürfen, solange sie nicht mit dem klaren Menschenverstand konkurrieren. Es gibt ja immer die Möglichkeit, dass noch Quellen dazu kommen (unabgeschlossener Artikel).

12:32, 13 March 2011

IP 85.216.31.91, ich denke das sind einige gute Punkte:

  • WP war mE besonders attraktiv für Neueinsteiger als es noch sehr viel unbestellte Felder gab: es ist schwieriger, einen Artikel zu verbessern als einen anzulegen, der "besser als nichts" ist. Ausserdem hängt man mE mehr an etwas, das man selbst von Anfang an mit aufgebaut hat als an etwas, zu dem man erst später hinzugestossen ist. Daher halte ich die Abnahme in Neueinsteigerzahl und Retention-Ratio für naturgegeben und nicht so dramatisch (solange es genügend Wikipedianer gibt).
Wenn man vermehrt Neueinsteiger anziehen will, könnte man z.B. den Umfang der WP (kontrolliert) vergrössern, indem man Relevanzkriterien abschwächt. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass WP zum Werbeverzeichnis von Bastel-Software, unbekannten Popgruppen und von kleinen Beratungsklitschen wird. Ganz würde ich deshalb nicht auf solche Kriterien verzichten wollen. Vielleicht könnte man Schwesterprojekte wie Wikitionary, Vereins- oder Unternehmenswiki besser einbinden, in denen auch Platz ist für Artikel, die in WP derzeit für nicht relevant gehalten werden?
  • Ein anderer Weg, Autoren zu gewinnen wäre es mE, wenn man es einfacher macht, spezifische Mängel in einem Artikel aufzuzeigen. Ich finde es z.B. bedauerlich, dass in de.wp ein Template:Beleg fehlt Baustein nicht existiert. Mit dieser Art von Baustein (etwa auch: Hinweise auf Redundanz, auf begriffliche Unklarheit, auf zu grosse Weitschweifigkeit, ...) könnte man neue Leser sowohl zum "auf Fehler aufmerksam machen" als auch zum "Fehler korrigieren" motivieren und dadurch zu Autoren machen.
Um den Lesefluss dadurch nicht über Gebühr zu stören könnte man WP in abgestuften Fassungen anbieten (wie jetzt schon gesichtet/ungesichtet): die entsprechenden Hinweise sind nur in einer "Arbeitsversion" zu sehen. Welche der beiden Versionen man zu sehen bekommt, kann über die Einstellungen festgelegt werden. So kann man auch in kleinerem Umfang als durch QS-Bausteine zur Verbesserung von Artikeln auffordern.
Ich fände überhaupt solch eine Abstufung (z.B.: Arbeitsfassung - Standardform (wie bisher ungesichtet) - gesichtet - geprüft - ausgezeichnet) eine sinnvolle Lösung. Man kann dann den Qualitätslevel, an dem man interessiert ist, einstellen und motiviert ausserdem Wikipedianer jeweils beim Übergang zur nächsthöheren Stufe zu helfen (wo wie zB ich durch die "Sichtung" sehr viel mehr Artikeländerungen kritisch angeschaut habe als ich das sonst getan hätte - oft hat das dann zu edits ganz unabhängig von der zu sichtenden Pasage geführt)
  • in puncto Quellen finde ich deren Betonung schon sehr wichtig, um Natürlich sind auch viele "Quellen" fehlerhaft, asber die Chance ist sehr gross, das veröffentlichte Fehler in anderen zitierfähigen Quellen kritisiert oder richtiggestellt werden. Allerdings gibt es Beispiele, wo mir der Quellenbezug fragwürdig scheint: warum sollte z.B. bei der Zusammenfassung eines literar. Werks eine Quelle zitiert werden, wenn der Autor des Artikels das Buch selbst gelesen hat und zusammenfasst? Im Falle von Kontroversen könnten immer noch Quellen (einschliesslich des Originals) herangezogen werden.
17:04, 14 March 2011
> dass in de.wp ein Template:Beleg fehlt Baustein nicht existiert.

… empfinde ich auch als störend. Siehe dazu auch den Gedankenaustausch unter Wikipedia:de:Wikipedia:Verbesserungsvorschläge/Archiv/2011/Januar#Quellenangaben erbitten

17:01, 16 March 2011
 
> Die schwindende Zahl an Autoren ist teilweise diesem Umstand zu verdanken, dass Autoren keine richtige Notwendigkeit mehr erkennen, etwas zu einem Thema beizutragen, weil anscheinend alles schon gesagt ist.

... und Beiträge zu andern Themen als irrelevant gelten.

Gerade die Arroganz in der Bevormundung der Leser durch teilweise ziemlich belanglose "Relevanzkriterien" in der Deutschen Wikipedia ist erschreckend. Deutsche waren immer schon gut im Bevormunden.

16:07, 16 March 2011